Samstag, 25. Juni 2016

Brennnessel: Fasergewinnung

Brennnesseln sind äußerst nützliche Pflanzen, deren Blätter vitaminreiche Salate und entgiftende Tees abgeben, deren Samen sehr gesund sind und aus der man sogar Fasern zur Textilherstellung gewinnen kann.

Gesammelte Wildpflanzen so umfassend verwerten zu können ist natürlich klasse, spätestens wenn es dann noch etwas mit Textil zu tun hat bin ich dafür zu begeistern, also, wie gewinnt man die Fasern aus der Brennnessel?

Meine Recherchen haben hauptsächlich Erkenntnisse zur Flachsverarbeitung gebracht, sowie den spannenden Artikel "Projekt Urtica" auf tarmes.at, der mir Mut gemacht hat, es einfach mal mit der Brennnessel zu versuchen.

Testweise wurden ein paar Stängel geerntet, wenn es klappen sollte, folgt die große Ernte im August, wenn die Nesseln ausgewachsen sind und man die Samen miternten kann.

Markus kommt zu der Erkenntnis, dass die Brennnessel nur getrocknet werden muss und eine Röste nicht nötig sei, allerdings habe ich beide Varianten getestet. Also eine Hälfte der Stängel auf dem niedrigen Dach, das an unsere Terrasse angrenzt, verteilt, die andere Hälfte in eine ausrangierte Regentonne mit Deckel zur Wasserröste gegeben. 
Die Wasserröste - für Flachs - ist für mehrere Wochen angesetzt, da Brennnessel aber sehr schnell zu gären anfängt (Stichwort Brennnesseldünger), habe ich sie bei der ersten Gasentwicklung (kleine Bläschen auf der Wasseroberfläche) nach etwa 3 Tagen aus der Tonne genommen und auch zum Trocknen aufs Dach gelegt.
Dort lagen die Stängel mehrere Wochen, v.a. da sie durch den vielen Regen immer wieder nass geworden sind und wieder trocknen mussten.

Die 3 Tage Wasserröste scheinen tatsächlich etwas gebracht zu haben, denn die gerösteten Stängel sind einiges heller, als diejenigen, die nur zum Trockenen ausgelegt wurden.

Jedenfalls habe ich die ungerösteten Stängel bereits grob verarbeitet und mich dabei ebenfalls an der Flachsverarbeitung orientiert.
Zuerst habe ich die Stängel einzeln händisch gebrochen, also hin und her geknickt, sodass sich die holzigen Teile im Inneren zerstückeln. Durch gegeneinander ruckeln und Zwirbeln des Stängels bekommt man einen Gutteil der Schäbe (Holzstücke) herausgebröselt, den Rest habe ich abgestreift bzw herausgezupft.

Das hört sich genauso aufwändig und zeitintensiv an, wie es ist. Für die wenigen Teststängel war das kein Problem, aber für eine größere Menge Brennnessel muss dringend über Werkzeugeinsatz nachgedacht werden.


Man erhält also die Schäbe und Brennesselfasern, die noch gekämmt werden müssen, da sie sehr zusammenkleben. Einen feinen Kamm habe ich noch nicht, also habe ich die Fasern erst einmal über die groben Handkarden gezogen, dabei haben sie sich schon einigermaßen geteilt und die kürzeren Fasern ausgekämmt.
Die kurze Fasern habe ich kardiert und gezupft, um die restliche Schäbe zu entfernen und einen - wie ich finde - schon sehr schönen Werg erhalten, den man sicherlich gut verspinnen kann.

Die langen Fasern warten noch darauf, feiner gekämmt zu werden, was ich mache, sobald es sich mengenmäßig lohnt, einen Kamm zu bauen.


Das Ergebnis der Arbeit kann sich auf jeden Fall sehen lassen (siehe oben: herausgebrochene Schäbe, grob gekämmte Fasern und kardierter Werg). 


...und natürlich jeeeeede Menge Dreck ;) 


Mal schauen, wie sich die gerösteten Stängel bei der Verarbeitung verhalten und ob sich das Ergebnis von den ungerösteten Fasern unterscheidet.... Es bleibt spannend.

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