Samstag, 17. Oktober 2015

Leinen weben



1 Kilo Leinen. Was zum Geier habe ich mir nur dabei gedacht?

Atessa hat einen guten Anteil übernommen und versponnen, ich selbst habe nach einige Startschwierigkeiten (*hedderklebfitz*)ebenfalls schon die ein oder andere Spule damit gefüllt. Nun stellte sich für uns beide die Frage; was machen mit dem fertigen Garn? Großspurig wurde von mir verkündet "wir weben".
Gut.
Nun ist Leinen aber nichts, was man mal "so eben verwebt". 
Die Singels verzwirnen wollte ich nicht, also wurden die 50 g Garn so abgehaspelt. Man glaubt gar nicht, wie viel Lauflänge so ein 50 g schwerer Leinenstrang hat. Mit der Mini-Kreuzhaspel bin ich ganz schön ins Schwitzen gekommen (der Grund, warum Weihnachten  hier die passende Mühlenhaspel fürs Merino unterm Baum liegen wird) und dann...

...ja was dann? Richtig schlau wird man im Netz nicht, wie denn gesponnener Leinenfaden nachzubearbeiten ist. Irgendwo habe ich gelesen, dass man den Strang kochen soll, da beim normalen Entspannungsbad die Fäden aneinanderkleben.
Also aufgekocht, ein Bisschen blubbern lassen und nach dem Abkühlen den Strang herausgefischt.
Superbrilliant war diese Idee leider nicht, denn die mühevoll (durch nass spinnen) angepappten Fasern stietzen nun ziemlich aus dem Faden, eigentlich klar, wenn man den Kleber auskocht.

Na aber wenn wir schon Fehler machen, dann ziehen wir´s auch durch. Ja, ich habe das Leinen auf den Webrahmen gespannt, 1,5 x 0,35 m in einen 40/10er Kamm, mit Doppelbelegung in Loch und Schlitz, geplant sind zwei kleine Testhandtücher in Panamabindung (Kette und Schuss jeweils doppelt).

Das ist nun schon ein paar Tage her. Angewebt ist noch nichts. Warum? Seht selbst:


Diesen grauenvollen Fusselklett traue ich mir nicht, zu weben. Horrorvisionen von klebenden Fächern und ständig reißenden Kettfäden verfolgen mich jedes mal, wenn ich am Rahmen vorbei laufe. Aber nun heißt es Augen zu und durch, runterschneiden mag ich die Kette nämlich auch nicht.

Drückt mir die Daumen!













Freitag, 16. Oktober 2015

Seifenhexerei




Atessa und ich haben ein wenig Seife gerührt. Weil ich ihr beide Methoden zeigen wollte, haben wir eine OHP Seife gemacht, die sie zu Hause pillieren kann, um Kräuter oder ätherische Öle beizumischen, und eine kaltgesiedete Seife. Eigentlich sollte letztere eine schöne grüne Marmorierung bekommen, dank vielen festen Fetten (einem großen Schwung Kakaobutter), einem andickenden Parfümöl und Atessas emsiger Rührerei hatten wir allerings bald das, was man als "Blitzbeton" bezeichnet. Marmorieren konnte man das Ganze jedenfalls nicht mehr besonders gut, aber wir haben gespachtelt und verrührt, so gut es ging.


Gestern Abend habe ich die Seife ausgeformt und geschnitten, ein paar Streifen, den Rest in Blöcke. Sie hatte eine heftige Gelphase und war schon ziemlich fest, ließ sich aber noch ganz  gut schneiden.
Durch den festen Seifenleim sind ein paar Lufteinschlüsse in der Seife, aber ich finde sie für ein Erstlingswerk ganz gut gelungen. Die groben Waschblöcke passen auch zu der rustikalen Struktur.

Es hat jedenfalls viel Spaß gemacht und ich glaube, Atessa ein wenig mit dem Seifenvirus infiziert zu haben ;)

Mittwoch, 7. Oktober 2015

Allgäuer Webrahmen "Erika"

Die Suche nach einem passenden Webrahmen war schwierig. Lange habe ich Shops durchstöbert und bin um die Kromski Harfe herumgeschlichen, allerdings hat mich der hohe Preis ziemlich abgeschreckt.
Kromski, Ashford, Kircher sind (neben einfachen Schulwebrahmen mit Wendekamm *örgs*) scheinbar die Hauptvertreter ihrer Gattung.

Die ersten beiden sind sicherlich tolle Webgeräte und auch nicht grundlos so "teuer", allerdings sind Features, wie die Möglichkeit, das Ganze zusammenzuklappen und zu transportieren für mich nicht sinnvoll, da ich nur zu Hause webe. Der Kircherrahmen bringt zu einem bald noch höheren Preis nicht einmal das mit, fällt also auch raus.
Nach langem Suchen bin ich irgendwann in Heikes Shop gelandet, wo sie "Allgäuer Webrahmen", eine mir bis dato gänzlich unbekannte Marke, anbietet. Der Webrahmen "Erika" kommt mit einer Webbreite von 50 cm daher und ist mit 60 € in einem preislich vertretbaren Rahmen. Ein Gatterkamm 40/10 und zwei Schiffchen sind auch enthalten. Leider wird kaum/kein weiteres Zubehör angeboten, es gibt also keine Kämme in anderen Größen oder solche netten Kleinigkeiten wie Schärstäbe oder die Ashford Halterung für einen zweiten Gatterkamm. Man muss sich also erst einmal damit behelfen, den Kamm entsprechend doppelt oder eben weniger zu belegen (wie ich es beim Tuch für den Chacheur gemacht habe), anstatt der Schärstäbe benutze ich passend zurechtgeschnittene Streifen Zeichenkarton.
Kerben an Kett- und Warenbaum
Heike war aber auch so lieb, beim Hersteller einen zweiten Gatterkamm für mich zu besorgen, der mit 24 € ja auch sehr günstig ist, im Vergleich.
Theoretisch müssten auch die Kircher Kämme in den Rahmen passen, allerdings würde ich dafür nicht meine Hand ins Feuer legen, denn probiert habe ich es noch nicht (und ein neuer Kamm ist bald so teuer, wie der gesamte Rahmen ).
Mit dem zweiten Gatterkamm sind die Möglichkeiten aber durchaus vielfältig. Beispielsweise könnte ich nun doppelte Breite weben oder sogar eine einfache Köperbindung.
Musterstäbe, Schärstäbe und Schiffchen, sofern man sowas denn noch braucht, kann man ganz gut auch von anderen Marken kaufen, die sind ja glücklicherweise nicht rahmenabhängig.

Zahnräder aus Hartplastik
Ähnlich wie beim Kircher Rahmen kann man die Kette direkt am Baum einhängen. Allerdings nicht in solche "Zähnchen", die ich als wenig stabil empfinde, sondern in Kerben. Hier darf auch mal mehr Zug drauf, ohne dass etwas abbrechen kann.
Die Zahnräder an den Seiten sind aus Hartplastik und leider nicht so bruchsicher. Direkt beim zweiten weben ist mir ein Zähnchen weggebröselt, allerdings hatte ich die Flügelschrauben ganz locker und die Kette ziemlich straff gespannt, das war wohl zuviel. Mittlerweile benutze ich sie aber auch gar nicht mehr, da ich beim Kette abwickeln lieber einmal die Flügelschrauben an Kett- und Warenbaum ein wenig löse, so kann ich ganz gut regulieren, mit wie viel Zug die Kette abgewickelt wird.


Bäumen lässt sich der Rahmen prima allein, vielleicht schreibe ich auch dazu mal noch einen Post.

Fazit:

Für alle Puristen, die auf den Schnickschnack moderner Rahmen verzichten können, einen kleinen Geldbeutel haben oder sich nur mal im weben probieren wollen, ist der Allgäuer eine ausgezeichnete Alternative. Es ist ein Rahmen und man kann damit weben, Punkt.


Freitag, 2. Oktober 2015

Cacheur I

Das Tuch für den Cacheur nimmt in rasanter Geschwindigkeit Formen an. So schnell geschärt und gebäumt war der Webrahmen noch nie, allerdings ist die Kette auch nur zwei Meter lang und der Gatterkamm auf 35 cm bespannt.
Da die Wolle doch recht dick ist, habe ich den 40/10 Kamm nur auf 30 Fäden pro 10 cm bespannt, also auf 8 Löcher und Schlitze immer 2 frei gelassen. Das sieht man natürlich auch im Webbild (rechts), besonders in den hellen Streifen ist die Lücke gut zu erkennen. Das gibt sich aber (hoffentlich) nach den Waschen noch, zumindest sind beim Probeläppchen die Fäden schön gleichmäßig zusammengerückt.
Wie zu erwarten war, droht die dicke und ungleichmäßig gesponnene Kette mit Problemen. Der Kamm rubbelt an den teilweise unsauber angesponnenen Stellen, bis sich solche Verdickungen, wie hier links, bilden.
NOCH (klopf-auf-Holz) ist kein Faden gerissen, da ziemlich schnell über diese Stellen drüber gewebt ist, dank dem dicken Schussfaden, auch kletten die Kettfäden nicht zusammen und das Fach lässt sich gut öffnen.
Viel ist gar nicht mehr auf dem Kettbaum, sodass ich Hoffnung hege, das Ganze unfallfrei abgewebt zu bekommen. Dann werden noch herausstehende Fäden vernäht und ein Bündchenrand angestrickt. Es bleibt spannend ;)